Das Wahlprogramm

der mittelständischen Wirtschaftspüfer und vereidigten Buchprüfer für den Beirat der Wirtschaftsprüferkammer
Überprüfung der EU Reform 2014/2016

Machen Sie die Beiratswahl zur Abstimmung über die deutsche EU-WP-Reform – Reform mit Augenmaß nur auf Basis der EU-Abschlussprüfer-Richtlinie!

Der deutsche Gesetzgeber hat dem WP-Mittelstand und den WP-Einzelpraxen die von der EU geschaffene Deregulierung durch die unterbliebene 1:1-Umsetzung der EU-Richtlinie – trotz Zusage im Koalitionsvertrag – verweigert. Deswegen werden wir bei einem Wahlsieg die deutsche Überregulierung des WP-Mittelstands und der Einzelpraxen nochmals auf den Prüfstand stellen. Dazu muss die überzogene deutsche Qualitätskontrolle (QK) gegen den Peer Review nach Art. 29 EU-Richtlinie ausgetauscht werden. Eine Reform mit Augenmaß gibt es nur bei einer Qualitätskontrolle nach Art. 29 EU-RL.

Sonnenseiten für den WP-Mittelstand und Einzelpraxen durch 1:1-Umsetzung

  • Nur eine Prüfung des Qualitätssicherungssystems der WP-Praxis, statt einer zweimaligen Prüfung des Jahresabschlusses. Damit keine „Inspektion light“, wie bei den Börsenprüfern!
  • Aufhebung der Firewall bei den QKs wegen des Wegfalls der Mandatsprüfungen!
  • Keine Zulassung zum Abschlussprüfer und keine Zulassung als Prüfer für Qualitätskontrolle. Die EU-Reform verlangt nur die Erfüllung bestimmter Qualitätsmerkmale!
  • Keine Fachaufsicht und Kontrolle durch die Kommission f. QK für die Prüfer für Qualitätskontrolle.
  • Keine Auswertung der Berichterstattung über die QK. Die Richtlinie sieht vor, dass die KfQK die vorgeschlagenen Maßnahmen des Prüfers für Qualitätskontrolle (PfQK) umsetzt!
  • Klar geregelte Letztverantwortung der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) statt direkter Zuständigkeit der APAS über die Abschlussprüfer.
  • Unterstellung der APAS unter die Fachaufsicht des BMWi und damit Beseitigung des Verfassungsverstoßes gegen das Demokratieprinzip des Art. 20 Abs. 1, 2 GG.
  • Schaffung eines EU-weit ähnlichen Qualitätskontrollverfahrens, statt maßloser Inländerdiskriminierungen.
  • Transparente Besetzung der APAS-Leitungsorgane durch unbefangene Personen. Schaffung einer EU-Behörde zur Aufsicht über die Big4.
  • Einführung der echten Abschlussprüfung nach ISA, statt IDW-ISA-Übersetzung mit IDW-Prüfungsstandards.
Wenn Sie wollen, dass der WP-Mittelstand künftig nicht mehr den Watschenmann abgibt, sondern endlich ernst genommen wird und auch die entlastenden EU-Reformen erhält, dann wählen Sie die Kandidaten und Kandidatinnen der WP-Gschrei- und der vBP-Eschbach-Liste!

Die Mängel der Big4-Prüfer im Vorfeld der sog. Finanzkrise führten zur Abschlussprüferregulierung. WP-Mittelstand und Einzelpraxen waren jedoch an Bankenprüfungen überhaupt nicht beteiligt!

Die Big4 prüften im Vorfeld der Finanzkrise die Banken und erfüllten leider nicht den ihnen erteilten gesetzlichen Auftrag. Die gesetzliche Warnfunktion der Prüfer muss ausgeschaltet gewesen sein – die hohen Vermögenswerte in den Bankbilanzen wurden sehr oft trotz großer Intransparenz mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk abgesegnet. Wie in Medien nachzulesen, haben die Big4 als Abschlussprüfer der Banken – obwohl die Mängel der in vielen Bankbilanzen eingestellten strukturierten Produkte erkennbar waren – weder die Anteilseigner noch die Öffentlichkeit vor der Zerstörungskraft dieser Produkte gewarnt. Hätten die verantwortlichen Abschlussprüfer die Bilanzen wenigstens nur mit einem eingeschränkten Prüfungsurteil versehen, wären sie meist schon im Frühstadium aus dem Verkehr gezogen worden.

2011 zeigt sich EU-Binnenkommissar Michel Barnier noch fest entschlossen, die Mängel der Big4 zu beseitigen.


Big4-Lobbying verhindert geplante EU-Maßnahmen bereits auf EU-Ebene!

2010, zwei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise, begann der Brüsseler Binnenkommissar Michel Barnier das Geschäftsmodell und damit die Macht der Big4-Prüfer zu hinterfragen. 2011 rückte er mit seinem Entwurf einer EU-Verordnung deren Qualitätsmängel zu Leibe. Aus den Erkenntnissen der EU-Prüfungsforschung wurde folgender Schluss gezogen:

Die Beratungsfunktion des Prüfers neutralisiert dessen Prüfungsfunktion. Denn die mit der gleichzeitigen Beratung einhergehende Interessenkollision verhindert unabhängige Prüfungen sowie unparteiische Berichte und Testate. Der EU-Verordnungs-Entwurf von Kommissar Barnier aus November 2011 für die Prüfer von gelisteten Unternehmen sah zur Stärkung der Unabhängigkeit für die PIE-Prüfer vor:

  • Vollständige Trennung von Beratung und Prüfung. Sehr große Gesellschaften sollten sogar in reine Prüfungsgesellschaften einerseits und Beratungsgesellschaften andererseits aufgespalten werden. 
  • Das Vier-Augenprinzip durch Joint-Audit-Prüfungen sollte eingeführt werden – wie bereits in Frankreich.
  • Eine Prüfer-Rotation mit Mindestbestelldauer.

Nach drei Jahren Lobbyarbeit waren 2014 sowohl aus der Richtlinie als auch aus der EU-VO die geplanten Maßnahmen verschwunden. Monitor berichtete im August über das Scheitern der EU-Ziele durch Big4-Lobbying. Eine Lobbyform ganz besonderer Art: Die Wirtschaftsprüferkammer unter dem damaligen WPK-Präsidenten Prof. Norbert Pfitzer aus dem Hause EY schleuste 2010 eine WPK-Mitarbeiterin über die Prüferaufsicht APAK ins Herz der Brüsseler Kommission ein. Als quasi neue rechte Hand der Referatsleiterin konnte die Brüsseler WPK-Vertreterin über die aktuellen Brüsseler Reformvorhaben nach Berlin zur WPK berichten. Sie dürfte wohl auch aufgrund ihrer Vertrauensstellung die Änderungswünsche der Big4 in den Brüsseler Reformprozess einfließen haben lassen.

Folge: Die drei Hauptziele der EU zur Reform der Big4-Prüfung lösten sich im Lobbyrauch auf. Die Big4 konnten noch vor Abschluss der Reform beginnen, ihr Beratungsgeschäft weiter auszubauen. Ihr Geschäftsmodell funktioniert nach der Krise noch besser wie zuvor. Dies zeigt uns deren Umsatzentwicklung der letzten Jahre. Barniers Ziele wurden einkassiert. Entgegen seinen klar benannten Zielen 2011 wurden im Ergebnis aus der Finanzkrise keine Lehren für die Big4-Abschlussprüfung gezogen.

Restregulierung durch Lobby in Berlin im Sinne der Big4 gelöst!

Die restlichen Reformarbeiten mussten das BMWi und der Deutsche Bundestag leisten. In Deutschland nutzten die Big4 ihr Netzwerk und holten sich zwei Ministerialräte aus dem Justiz- und dem Wirtschaftsministerium ins Boot. Diese beiden MR waren mit der Umsetzung des EU-Rechts in Deutschland befasst (siehe Kleine Anfrage, Frage 5, BT-Drucksache 18/3648). Beide bekommen vom Verlag des Big4-Verbands IDW Autorengelder, obwohl die Leistung nur eine Textsammlung von EU-Werken ist. Beratungsverträge verleihen Zahlungen einen legalen Charakter, erkannte schon 2007 Prof. Quick in der ZfB 2007, S. 1012. Dies gilt auch für Autorenhonorare.

Geschickt stellten die Big4 sicher, dass auch das Geschäftsmodell mit Beratung und Prüfung weder durch das neue HGB-Recht (Rotation, Trennung Beratung/ Prüfung, Joint Audit) noch durch die neue Berufsaufsicht im Gesetzgebungsprozess Schaden erlitt.

Für die Schadensbegrenzung musste man sich noch die Berufsaufsicht einverleiben. Interessant ist dabei die Rolle des Bundeswirtschaftsministeriums. Das BMWi sorgte anscheinend auch dafür, dass am Ende des Ausschreibungsverfahrens drei ehemalige KPMG-Wirtschaftsprüfer die Leitung der neuen dreiköpfigen Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) bekamen. Oberster Chef der APAS wurde der bisherige Leiter der Sonderunteruntersuchung bei der aufgelösten Abschlussprüferaufsichtskommission. Seine Stellvertreter sind ebenfalls wieder ehemalige KPMG-WPs. 

Bei der Berufsaufsicht in der Wirtschaftsprüferkammer hat nach der Beiratswahl 2014 der frühere PwC-Vorstand und das heutige Aufsichtsratsmitglied, Dr. Hans Friedrich Gelhausen, zumindest bis 2018 die Leitung übernommen, dem Vernehmen nach auch mit Zustimmung der sogenannten Vertreter kleiner und mittlerer Praxen auf der Herzig-Liste.

Regulierung mit Augenmaß, statt Rolle des Prügelknaben für den WP-Mittelstand und die Einzelpraxen!

Mit der Umdrehung der WP-Reformen der EU-VO und Richtlinie 2014 und der deutschen Umsetzung konnten die Big4-Prüfer aufatmen. Ihr Geschäftsmodell: Der Berater-WP war gesichert! Die von der EU geplanten Maßnahmen zur Korrektur der Big4-Abschlussprüfungsmängel wurden nicht angepackt und in keiner Weise reguliert. Ganz im Gegenteil: Gegen die mittelständische Wirtschaftsprüfung wurde mit regulatorischen Aufsichts- und Überwachungsmaßnahmen die Marktbereinigung zu Gunsten der Großen fortgesetzt.

Die Reform 2011 wurde so zum Bumerang für die gesamte mittelständische Wirtschaftsprüfung. Die an der Finanzkrise unbeteiligten mittelständischen Wirtschaftsprüfer wurden vom deutschen Gesetzgeber mit Überregulierung für die Big4-Mängel bestraft. Die Einzelpraxen und der kleine Mittelstand reagierten mit dem Rückzug aus dem Abschlussprüfermarkt: Die Zahl der Prüferpraxen nimmt weiter ab!

Wirtschaftsprüferkammer stellte sich taub gegenüber den Forderungen von wp.net.

Die WP-Reform mit Augenmaß wurde den Einzelpraxen verweigert. Dies auch deswegen, weil wir erkennen mussten, dass die Wirtschaftsprüferkammer sich vor allem dafür einsetzte, die Regulierung von den Big4 fernzuhalten.

In der Tätigkeit der Wirtschaftsprüferkammer und ihrem 13-köpfigen Vorstand konnten die wp.net-Beiräte keine Unterstützung für den WP-Mittelstand erkennen. So missachtete der Vorstand der Wirtschaftsprüferkammer den im Dezember 2014 von den wp.net-Beiräten durchgesetzten Beiratsbeschluss zur 1:1-Umsetzung der EU-Richtlinie. Es gab schöne Worte und Geheimtreffen mit der Regierung. Für die Big4 hingegen hat sich der Vorstand der WP-Kammer immer fest ins Zeug gelegt.

Der WP Mittelstand und die Einzelpraxen haben nur dann eine Stimme, wenn auch wp.net wieder in den Vorstand der WPK einzieht.

Fundamentale Erneuerung der Big4-Abschlussprüfung fehlschlagen!